Angriff in den Anden!

geschrieben von Toni Welzmiller (Granit) 

 

AAR-Autor: Claus E. Witz

Spiel: Hearts of Iron 2

Modifikationen: keine

Spielland/Fraktion/Charakter: Argentinien

Start: 03.09.2012

Besonderheiten: Rekonstruktion einer AAR Geschichte aus dem untergegangenen heartsofiron.de Forum / Argentinien / unbekannter Erzähler, der sich an die Vergangenheit erinnert

AAR-Status: Wird derzeit erfolgreich weitergeführt

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Die Geschichte beginnt mit einem verhörartigen Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch, in dem deutlich wird, daß folgende Geschichte aus der Rückschau einer älteren Person stattfindet und betreffende Person beginnt von anno dazu mal zu erzählen, nicht ohne vorher nach einer medizinischen Schmerzlinderung zu fragen. Dann geht es auch schon los …

 

… es war einmal in Argentinien, ein von der Weltwirtschaftskrise von 1929 gebeuteltes Land, das unter den Fittichen des Generalissimo Augustin P. Justo steht, der ein, so schildert es der unbekannte Erzähler, ein recht umgänglicher Mensch mit gewissen Visionen war. Große Visionen, so viel erfährt man schon in Kürze. Der Erzähler, der in die Vergangenheit blickt, erinnert sich an Buenos Aires, Mitte der 1930er Jahre, an einen alten Freund, der mit ihm bereits in Heidelberg zusammen studierte, was damals natürlich eine Sensation war. Wie ein Südamerikaner dazu kam, im Deutschen Reich zu studieren? Nun, gewisse Berührungspunkte der Realität fließen hier in die Geschichte ein, etwa wirtschaftlich und politisch.

 

Wer die Erzählperson ist, wird (bisher noch) nicht offenbart, man erfährt spannenderweise nur, daß diese Person Angehöriger einer deutschen Wirtschaftsdelegation ist, welche in Kontakt zur deutschen Botschaft steht und jener Mann mit Jose Maria Sarobe eng befreundet ist, der wiederum als Berater des argentinischen Staatschef dient. Auf einem Neujahrsempfang im Präsidentenpalast weiht Staatschef Justo seine Gleichgesinnten Gäste in die Pläne ein, die er für Argentinien und Südamerika im Ganzen besitzt, begeistert diese für seine Vision als “George Washington Südamerikas” Südamerika zu vereinen und somit den Kontinent als Supermacht gleichberechtigt und von den USA unabhängig auf die Bühne der Weltpolitik zu führen. Hierfür muß der brasilianische Konkurrent, der als gefährlich eingestuft wird, ausgeschaltet und somit zur Ordnung gerufen werden. Es folgt eine textliche Beschreibung der Vororganisation des Feldzuges gegen den kleinen Nachbarn Urugay, der aufgrund der Überschaubarkeit Argentiniens sich sehr gut und glaubhaft in die Erinnerungen des Erzählers einfügen. Er spricht von der Vision des Generalissimos Justo, und das einmal später die Menschen schon verstehen würden, zumindest rechtfertigt der Erzähler damit die Kriegserklärung am 23. Januar 1936 gegen den Nachbarstaat. Dass vielleicht nicht alle diese Vision teilen, bemerkt der Erzähler beinahe beiläufig an der Tatsache von wachsender Unruhe und eingeschränkter Produktivität in Argentinien, aber auch im dann rasch besetzten Urugay.

 

Die USA warnen Argentinien auf diplomatischem Wege, doch die Vision des Staatschefs, von Sarobe und dem Erzähler läßt die Armee bereits in Aufstellungsräume gegen Paraguay marschieren. Vielleicht jetzt auch aus einer situationsbedingten Sachlage heraus, denn der Kriegszustand frißt sich unaufhörlich in die Materialdepots des Landes. So ist die argentinische Staatsführung plus Anhang im toten Winkel dazu gezwungen, die umliegenden Länder schnell und eines nach dem anderen einzunehmen. Gerade als der Krieg gegen Chile eröffnet wurde und sich dieser als schwieriger wie gedacht herausstellte, erinnert sich der Erzähler sachlich an eine Panne bei der Auftragsvergabe der Forschung für eine Luftwaffendoktrin. Die eingesetzte Kommission deckte auf, daß der zuständige Forscher erstmal zwei Wochen auf Golfurlaub war – und das in Kriegszeiten!

Nach der Niederringung Chiles, schickte man sich Bolivien und Peru den Garaus zu machen, selbst wenn Argentinien jetzt schon an das Ende seiner Kapazitäten gelangte. Als sich die Lage auf dem argentinisch dominierten Bereich des Kontinents langsam beruhigt und die Militärjunta mit sich selbst beschäftigt ist, passiert es dann. Ein Volksaufstand in der Hauptstadt, ein wütender Mob am 11. Mai 1938, der in den Präsidentenpalast eindringt, den aktuellen Staatschef stürzt und einen Mann der Opposition, Roberto M. Ortiz einsetzt. Da der nun an der Macht Sitzende ausgesorgt hat, interessiert er sich nicht mehr für die Belange der Bevölkerung und setzt die Politik seines Vorgängers unmittelbar fort. Der in die Vergangenheit blickende Erzähler denkt, daß sein Status als Ausländer und nicht an der direkten Macht beteiligten Mannes der Grund für seine Unversehrtheit während dieses Putsches war.

Am 05. September 1938 eröffnen die argentinischen Streitkräfte mitsamt ihrer visionierten Befehlshaberei den Krieg gegen das immer schon suspekt erscheinende, portugiesisch geprägte Nachbarland Brasilien. Der große Krieg gegen den Konkurrenten war ausgebrochen!

Und als wäre dies, inklusive der Wirtschaftsprobleme, die nur der aus Deutschland stammende Erzähler mithilfe seiner guten Kontakte ins Reich etwas beheben konnte, noch nicht genug, trat einen Tag darauf die USA, die sich in ihrer Hegemonialstellung gekränkt fühlten, in den Krieg auf antiargentinischer Seite ein. Schon bald kreuzten vor den Küsten Südamerikas US-Flottenverbände, die aktiv in das Geschehen eingriffen. Argentinien sieht sich gezwungen, ein vorzeitiges Friedensangebot im Feldzug gegen Brasilien einzureichen, um die überraschenderweise gelandeten Amis in den Nordanden zurückzuschlagen. Als die Lage aussichtsloser wird und die Kämpfe zunehmendst verlustreich werden, ist man im Präsidentenpalast dazu bereit, auch eine politische Lösung eventuell in Betracht zu ziehen. Da ist die Rede davon, die feindliche USA für einen möglichen Frieden zu gewinnen, wenn es sein muß auch mit Blumengewalt.

Lage im Herbst 1938
Lage im Herbst 1938

Der Leser wird umfangreich, aber auch mit der nötigen Geschwindigkeit durch die ereignisreichen Jahre auf dem südamerikanischen Kontinent geführt. Ich kam während des Lesens dieser Geschichte, die sich durchweg sehr geschmeidig und unterhaltend lesen läßt, nicht umhin, an einen alten Herren im Rollstuhl vor einem Kamin sitzend und in einer Wolldecke eingehüllt, zu denken. Der Kampf um Großargentinien ist ein spannender, zäher und ein grobes Unterfangen. Es werden passende Bildschirmablichtungen des Spielstandes als bildlicher Eindruck eingestreut und hin und wieder wird dem Leser eine Änderung der Armeestruktur aufgelistet. Insgesamt findet man sich sehr schnell zu recht, was auch an der Existenz einer Kapitelübersicht, sowie einer vernetzten Operationsauflistung der einzelnen Unternehmen liegen mag. Ob Argentinien seine Vision in den schwierigen Zeiten des anbrechenden 1940er Jahrzehnts verwirklichen kann und Deutschland auf seinem europäischen Kriegsschauplatz US-amerikanische Verbände bindet, darf die Leserschaft gerne selbst herausfinden. Und auch ich bin gespannt und wünsche Argentinien viel Glück – Claus E. Witz – verändere die Geschichte und verhindere, das Evita singend heult!

Geostrategische Lage März 1942
Geostrategische Lage März 1942

Fazit

Eine gelungene Geschichte, die nach Fortsetzung lechzt. Die Überschaubarkeit des Landes Argentinien lädt zu mehr persönlichen Erinnerungen ein. Wer den Flair des südamerikanischen Kontinents mag, wird “Angriff in den Anden” lieben, auch wenn bis jetzt Kuba und Kolumbien noch nicht befreit wurde, dafür hält sich die Armee der Visionäre bisher recht gut im Dschungel des Amazonasregenwaldes.

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