Warhammer 40.000 – In der Finsternis der fernen Zukunft gibt es keinen Frieden…

„Warhammer40,000logo“ von Warhammer 40,000 - Warhammer 40,000.
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von Bengt Weihberg


Diese prägnante Einleitung findet man in jeder Publikation zu Warhammer 40.000, und sie beschreibt treffend, worum es in diesem Tabletop geht: Permanenten, galaxisweiten Krieg. Zumindest ist das der Hintergrund, auf dem das wohl beliebteste Tabletopstrategiespiel der Welt basiert.

In den Grundmechanismen unterscheidet sich Warhammer 40.000 (ab nun kurz '40k' genannt) kaum von anderen Tabletops. Jedes Modell hat festgelegte, teilweise durch Ausrüstung und Sonderregeln modifizierbare Werte, die seine Kampfstärke, Widerstandskraft und das Einsatzgebiet beeinflussen. Im Gegensatz zu sogenannten Skirmishs werden bei 40k aber nicht einzelne Modelle, sondern ganze Trupps von teilweise 50 Modellen und auch Panzern und Kampfflugzeugen eingesetzt. Das 'Spielbrett', auf dem man seine Armeen gegeneinander antreten lässt, ist meist ein modellierter Spieltisch (daher Tabletop, Tischoberfläche) mit Gelände wie Ruinen, kleinen Wäldern, Hügeln oder manchmal auch ganzen Stadtvierteln. Allerdings kann man für ein schnelles Spiel zwischendurch auch einfach mit Büchern und Flaschen eine Spielfläche schaffen. Die Tischgröße variiert je nach Armeegröße zwischen normalerweise 48x48 und 72x48 Zoll. Die Armeegrößen, die gegeneinander antreten, spricht man vorher miteinander ab auf Basis von einem Punktlimit, jedes Modell und jede Ausrüstung kosten eine bestimmte Menge Punkte und begrenzen so die Anzahl an Einheiten, die man in die Schlacht führen kann. Jeder Spieler kann dann in seinem Zug seine Einheiten über den Spieltisch bewegen, seine Waffen abfeuern und Nahkämpfe eröffnen, anschließend ist der Gegner am Zug.

Einen seiner größten Reize verdankt 40k dabei seiner Diversität. Es gibt in der 'finsteren Zukunft' des 41. Jahrtausends, das den Hintergrund zum Tabletop liefert, sieben verschiedene Völker. Diese sind zum Teil in mehrere Fraktionen mit eigenen Regeln aufgeteilt,  die im jeweils dazugehörigen 'Codex' stehen. Prominentestes Beispiel ist hier das Imperium der Menschheit, das mit neun Codizes und mehr als einem Dutzend Erweiterungen einige Möglichkeiten bietet, von kleinen Armeen mit wenigen genetisch modifizierten mönchischen Supersoldaten in schweren Rüstungen, den Space Marines, bis zu nahezu ungeschützten, normalen Menschen der regulären Armee, die den Feind durch Masse und schweres Geschütz überwinden.

Auf der Gegenseite steht vor allem das Chaos, dass sich auf Dämonen, menschliche Verräter aller Couleur inklusive Chaos Space Marines und teils bizarr mutierte Monster und Maschinen stützt. Chaos bezeichnet dabei weniger ein Volk als mehr eine Art Höllenreligion dunkelster Art mit Hang zu Massakern unfassbaren Ausmaßes.  Die vier Chaosgötter sind durchaus real und senden ihre Dämonen und sterblichen Diener gerne aus ihrer Paralleldimension, dem Warp, in den Realraum, um den einen oder anderen Planeten abzufackeln.

Die weiteren Völker sind verschiedene Außerirdische, vom Imperium, allgemein als Xenos bezeichnet. Hier findet man zum Beispiel die brutalen und grobschlächtigen, eigentlich eher in die Fantasysparte gehörenden, grünhäutigen Orks. Eine amüsante und kampfeslustige Massenarmee, die von ihrer Unberechenbarkeit lebt. Orks machen selten genau das, was ihr Spieler von ihnen möchte, aber lustig und auch noch verheerend für den Gegner ist das Ergebnis trotzdem häufig.

Auf der anderen Seite des Spektrums stehen die Eldar und Dark Eldar, ein durch eine selbst ausgelöste Katastrophe vom Aussterben bedrohtes Volk. Die Ersteren verlassen sich auf Feuerkraft, stark spezialisierte Einheiten und vor allem Psikräfte (die Magie des 40k-Universums).  Die Dark Eldar sind vor allem extrem flink unterwegs und schlagen äußerst hart zu, auch im Nahkampf. Insbesondere die Letzteren sind dabei sehr zerbrechlich und halten gut geführten Gegenangriff nur schwer stand, während die normalen Eldar durchaus Stehvermögen besitzen.

Außerdem sehr beliebt sind die Tyraniden, ein außergalaktisches insektenartiges Volk. Von der Erscheinung her erinnern sie an die gefährlichen Wesen aus den Alien-Filmen. Die Tyraniden verschlingen auf ihrem Weg durch die Galaxis, ähnlich einer Heuschreckenplage, sämtliche Biomasse ganzer Planeten und produzieren daraus ständig neue rein biologische Raumschiffe und Kampforganismen. Diese werden durch ein einziges gewaltiges Schwarmbewusstsein gelenkt.

Die weiteren Völker umfassen die Tau, ein enorm beschussstarkes, aber zerbrechliches Volk mit leichtem Japanflair und einem Hang zum Kommunismus, sowie die Necrons, eine gewaltige Armee Seelenloser Kampfroboter. Deren letzten noch denkfähigen Aristokraten wollen nach Milliarden Jahren des Schlafens wieder die Galaxis beherrschen und endlich Rache an den bereits aussterbenden Eldar üben.

Ein weiterer großer Anreiz ist die beträchtliche Gestaltungsfreiheit bei den Modellen. Diese sind fast ausschließlich aus einem recht widerstandsfähigen Kunststoff gegossen und werden unbemalt und in Einzelteilen verkauft. Wie man die Modelle dann schlussendlich zusammenbaut, welche Posen und auch mitunter massiven Umbauten man vornimmt, bleibt einem selbst überlassen, solange das Modell am Ende noch für den Gegner identifizierbar ist. So ist jede Armee nach den individuellen Vorlieben des Besitzers geformt, während der eine seine Space Marines konzentriert über den Lauf zielen lässt, stellt der andere sie als wild vorstürmende und Schwerter schwingende Barbarentruppe da.

Dazu kommt die Bemalung. Für manche Spieler ist diese eher Nebensache, ihnen geht es um das Spiel, auf der anderen Seite stehen die Hobbyisten, die vollkommen in Umbauten und/oder Bemalung aufgehen und kaum einmal spielen. Natürlich gibt es auch welche, die alle drei Teile des 40k-Hobbys gerne ausüben, das Bemalen der Modelle gilt aber als eine Art Königsdisziplin. Eine voll bemalte, 200 oder mehr Modelle starke Orkarmee bietet einen beeindruckenden Anblick, aber auch ein einzelner, hochqualitativ gestalteter Chaoslord stellt einen herrlichen Blickfang da. Die fähigsten Mal- und Bastelprofis zeigen ihre Ergebnisse gerne im Internet in den verschiedenen Hobbyforen und auch der Hersteller, Games Workshop, unterhält ein Team hochangesehener Maler, das 'Eavy Metal Team.

Schlussendlich sorgt noch der Hintergrund, also das SciFi-Universum von Warhammer 40.000, für Interesse. Bei 40k ist niemand wirklich der Gute. Das Imperium der Menschheit ist ein gewaltiger Moloch, zentral regiert von Terra, also der Erde aus. Einzelne Menschenleben zählen nichts, die galaktische Bevölkerung wird unterdrückt und betet ihren nominellen Herrscher, den unsterblichen Imperator, als göttliches Wesen an. Dies verschafft der Kirche des Imperiums, der Ekklisiarchie, enorme politische Macht. Technologische Entwicklung existiert nicht, denn Fortschritt ist nach Ansicht der anderen Kirchen des Imperiums, des Mechanicums, Ketzerei. Da das Mechanicum die totale Kontrolle über die Technologie hat. Alles hängt von dem Wissen der Vergangenheit ab, und alle neuen Technologien, die das Imperium einführt, sind in Wirklichkeit wiederentdeckte Relikte aus der Vergangenheit der Menschheit. Space Marines und Astra Militarum, die imperiale Armee, kämpfen permanent an allen oder auch innerhalb der Grenzen des Imperiums gegen die Bedrohung durch die Außerirdischen und das Chaos. Im Inneren schließlich wacht die erbarmungslose Inquisition über die imperialen Institutionen und die Bevölkerung. Mitunter muss sie ganze Planeten wegen Dämoneninvasionen oder Rebellion vernichten. Passend dazu lautet dann auch der Schluss der Einführungsworte in jedem Roman und jedem Codex: Es gibt keinen Frieden zwischen den Sternen, nur eine Ewigkeit der Verwüstung und des Gemetzels, und das Lachen dürstender Götter.

Bei Fragen und Infos könnt Ihr gerne hier unter Kommentare Fragen an Bengt stellen oder hier schreibt eine Mail an weihberg@stratege-magazin.de

Bildergalerie

"Vielen Dank an Daniel "DerErzfeind" Nau, Hendrik Brauer und Michel Nau für die wunderbaren Fotos!"

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