Volle Breitseite – World of Warships in der Beta

Seit einiger Zeit befindet sich das MMO von den WoT-Machern Wargaming.net in der Betaphase, nun sogar in der Open Beta. Glücklicherweise wurde uns von einem Leser ein Code für die Closed Beta zur Verfügung gestellt, so dass zumindest einer unserer Redakteure die Möglichkeit hatte, Entwicklungsstand und Qualität ein wenig früher auszuloten.

Autor

Bengt Weiberg 
Nickname: Hjalfnar_Feuerwolf

Redakteur 

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Der erste Dämpfer noch vor dem Einloggen, wer zur Sicherheit ein wirklich langes Passwort für seinen Wargaming-Account gewählt hat, darf sich ärgern: Im Moment streikt dann nämlich manchmal die Speicherfunktion fürs Passwort. Nervig, aber es ist ja die Beta. Der Support hat uns versichert, dass daran gearbeitet wird. Das Hauptmenü kennen wir schon aus World of Tanks und World of Warplanes, deren Oberfläche ähnelt es doch stark. Mit dem Unterschied, dass die angewählten Schiffe nicht im Hangar stehen, sondern im Hafen ankern, was ein durchaus malerisches Bild mit Möwengeschrei und Wellenrauschen erzeugt.

Grafisch macht WoWs einiges her und legt gegenüber Wargamings Zugpferd World of Tanks eine ordentliche Schippe nach. Vor allem die Sonnenuntergänge sind äußerst hübsch, im Gegensatz dazu ist das Wasser zwar ansehnlich, die Einschlagsfontänen bei Beschuss aber nur so lala. Ein brennendes Schiff allerdings ist ein wirklich gewaltiger Anblick, womit wir beim Balancing wären.

 

 

Dieses ist nämlich aktuell mehr wackelig. Im Prinzip stützt sich World of Warships auf ein vierteiliges Klassensystem:

 

Klasse (USN-Hüllenklassifikationskürzel)

 

Flugzeugträger (CV/CVL)

Die Aufgabe von Trägern in WoWs ist meist die Bekämpfung feindlicher Flugzeuge und Angriffe auf große feindliche Einheiten, also meist ihre Gegenstücke und Schlachtschiffe. Dabei gibt es Jäger, Sturzbomber und Torpedobomber. Während erstere logischerweise Flugzeuge bekämpfen, setzen Sturzbomber sehr präzise Schläge und verursachen leichtere Schäden sowie Brände. Torpedobomber werfen eine Torpedofächer ab, dessen Treffgenauigkeit dabei besonders vom Geschick des kontrollierenden Spielers und des anvisierten Ziels abhängt.

 

Schlachtschiffe (BB)

Gleich vorweg, WoWs unterteilt nicht in Schlachtkreuzer und Schlachtschiffe. Bbs kämpfen auf große Reichweite vor allem mit panzerbrechender (PB) Munition gegen Kreuzer und andere Schlachtschiffe. Sollten sie auf einen Flugzeugträger feuern können, hat das feindliche Team meist eh schon verloren. Bei einem Treffer an die richtige Stelle kann man mit etwas Glück jeden Gegner mit einem Schlag versenken, dies erfordert allerdings großes Geschick, da man ordentlich vorhalten muss. Auf 20 Kilometer und mehr fliegt so eine Granate ihre Zeit. Aber haltet so ein Dickschiff mit tausenden HP nicht für unverwundbar, hütet euch vor Zerstörern und Torpedobombern!

 

Kreuzer (CS/CL/CA/CC)

Auch hier unterscheidet WoWs nicht zwischen den verschiedenen Unterklassen. Kreuzer sind so etwas wie der Hansdampf in allen Gassen. Sie haben meist eine ordentliche und vor allem schnell feuernde Hauptartillerie, vor allem im Hightier eine sehr starke Flak und in einigen Fällen auch Torpedos. Ihre Hauptaufgabe ist die Verteidigung des eigenen Teams gegen Zerstörer und anfliegende Flugzeuge sowie schnelle Angriffe in die Flanke und den Rücken des gegnerischen Teams. Teilweise können sie es sogar beinahe mit einem BB aufnehmen, in der Gruppe aber ganz sicher. Zerstörer und Flugzeuge bedrohen sie zwar nicht so stark, aber ihre niedrigeren Hitpoints machen sie verwundbarer als BBs.

 

Zerstörer (DD)

Diese kleinen Biester (merkt man, dass ich BBs bevorzuge?) sind vor allem Aufklärer und schnelle Jäger. Dank guter Tarnwerte können sie, wenn sie nicht feuern, sich schnell in den Rücken des Feindes vortasten und mit ihrer Masse an Torpedos große Verwirrung und noch größeren Schaden anrichten. Ein Zerstörer, der bis zu einem gegnerischen Flugzeugträger durchbricht, kann das feindliche Team gravierend schwächen und auch Schlachtschiffe sollten sehr sehr vorsichtig mit diesen Aale spuckenden Schleichern umgehen. Habe ich erwähnt, dass sie sich und Verbündete mit Rauchwänden vor dem Gegner verstecken können? Wenigstens halten sie kaum etwas aus.

 

Der aktuellen Version merkt man eine leichte Balanceschwäche zugunsten der kleineren Schiffe und Träger an. Da man Feuer und Lecks nur etwa alle 1,5 Minuten bekämpfen kann und Hochexplosivmunition (HE) schnell und häufig Feuer verursacht, kann einem das Schlachtschiff teilweise in weniger als einer Minute unter dem Hintern wegbrennen. Vor allem die US-Kreuzer mit ihrer später enorm hohen Feuerrate sind dabei sehr gefährlich. Schlaue Trägerkommandanten lassen erst ihre Sturzbomber ein kleines Feuerchen entfachen, und wenn der Gegner es gelöscht hat, ihre Torpedobomber ein paar Lecks schlagen. Schlachtschiffe mit ihrer niedrigen Feuerrate sind dem oft relativ schutzlos ausgeliefert und können Torpedobombern meist nicht so gut ausweichen.

 

Ab von diesen leichten Balanceschwächen zeigt WoWs glücklicherweise nur wenige direkte Bugs. Auf einigen Maps kann man noch an der einen oder anderen unsichtbaren Kante hängen bleiben, in seltenen Fällen stürzt das Spiel ab. Ganz ganz seltenen kann sich die Kamera vom Schiff entkoppeln. Dank dem bekannten Rejoin-Feature (Spiel neustarten und der laufenden Partie wieder beitreten) hat man hier aber immerhin noch eine Chance, sein Schiff zu retten.

Die wirkliche Schwäche von WoWs ist die relative Eintönigkeit des Spiels. Es fehlen noch abwechslungsreichere Spielmodi außer dem Erobern von Punkten auf der Karte, was mit Schiffen sowieso reichlich befremdlich ist. Hoffentlich wird hier noch kräftig nachbessert, bis Goldstatus erreicht wird. Besonders der maritime Kampfraum bietet dafür doch genug Möglichkeiten wie Konvoiraid/Konvoieskorte, Landbeschießung, U-Boot-Jagd etc.

Schlussendlich noch ein subjektives Manko. Erneut hat Wargaming die Nutzung von „Mods“ erlaubt. Schon in World of Tanks habe ich diese Mods als Gamebreaker betrachtet, nachdem ich sie selber einige Zeit genutzt und ihren teils beträchtlichen Vorteilswert bemessen konnte. In WoWs sind solche „Mods“ (in anderen Spielen würde man einige davon Cheats nennen) bereits aufgetaucht und haben auch schon einiges an Schaden angerichtet, ich erinnere nur an den Hack, der einem einen Vorhaltepunkt für die Geschütze lieferte. Dieser wurde ja glücklicherweise gesperrt, für mich wird das Thema „Mods“ aber weiterhin einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

 

Fazit

Spaßig! Das wars dann aber auch. Für Zwischendurch ein ganz wunderbares Spielchen, genau wie WoT. Für die dauerhafte Beschäftigung fehlen mir (noch) die spannenden Spielelemente und das Balancing ist derzeit noch wacklig. Hinzu kommt der völlig fehlende Realismus, denn mit einer akkuraten Darstellung der Seekriegsführung 1900-1945 hat das Spiel so viel gemeinsam wie schon der große Bruder World of Tanks mit historischem Panzerkampf. Trotzdem werde ich ein Auge darauf haben, vor allem wenn die deutschen Schiffe endlich kommen. Außerdem sind wir ja in der Beta, wer weiß, was Wargaming sich noch einfallen lässt. Vielen Dank an dieser Stelle an den User Seydlitz aus dem Strategycon-Interactive-Forum, der mir seinen Key zur Verfügung gestellt hat. Werde mich bei Gelegenheit revanchieren!

 

 

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