Der Erste Weltkrieg - Katalysator der modernen Kriegsführung - Teil 1


Im letzten Jahr erlebten wir das Jubiläum des ersten wirklichen Massen- und Maschinenkrieges. Der Erste Weltkrieg, oder, wie ihn Engländer und Franzosen nennen, der Große Krieg, zeigte zum ersten Mal in aller Deutlichkeit die Stärke tief eingegrabener Infanterie mit automatischen Waffen gegenüber Angreifern. Auch und vor allem die schnell feuernde moderne Artillerie sorgte dafür, dass Offensiven meist zu gewaltigen Abnutzungsschlachten verkamen. Die Somme, Verdun, Ypern, alles Namen für Schlachtfelder, wo in riesigen Materialschlachten tausende mehr oder weniger junge Männer ihr Leben ließen, ohne dass die Front sich großartig bewegte.

Während vor allem Frankreich, Österreich-Ungarn, Italien und Deutschland geradezu ausbluteten, suchten die wenigen innovativen hochrangigen Militärs auf beiden Seiten verzweifelt nach Mitteln, das Patt zu durchbrechen und wieder zum Bewegungskrieg überzugehen. Die Ergebnisse sind bekannt, die Briten und Franzosen erfanden den Panzer und die Deutschen die Stoßtruppentaktik. Beide zeigten sich durchaus effektiv, aber während der Panzer noch mechanisch anfällig und unzuverlässig war, fehlte dem Deutschen Reich am Ende die Mannstärke, die Versorgung und auch die Moral, gegen den materiell überlegenen Gegner den Durchbruch zu erzwingen.


Obwohl diese zwei Entwicklungen die mit Abstand bekanntesten sind, sind sie natürlich nicht die einzigen Innovationen, die es während des Krieges gab. Speziell den technischen „Errungenschaften“ der Waffenentwicklung möchte ich mich in dieser Artikelreihe widmen.

Autor

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Bengt Weiberg
Nickname: Hjalfnar_Feuerwolf

Redakteur & Youtuber

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1.: Leichte automatische Infanteriewaffen

Obwohl das heutige Sturmgewehr seine Anfänge klar im Zweiten Weltkrieg hat, mit dem StG 44, wurde die Idee bereits im Ersten Weltkrieg geboren. Und das Ergebnis dieser Idee spielte in folgenden Konflikten eine große Rolle: Die Maschinenpistole.


Den Anstoß zur Entwicklung einer solchen Waffe gab der Grabenkrieg. In der Enge der Schützengräben waren die langen Gewehre dieser Zeit extrem unhandlich. Auch kürzere Läufe verbesserten ihre Einsatzmöglichkeit nicht wirklich, denn wenn der Gegner keine zwei Meter entfernt in den Graben sprang, hatte man nicht mehr wirklich Zeit zu repetieren. So degenerierten die Kämpfe zu einem wüsten Hauen und Stechen mit improvisierten Waffen wie geschärften Handspaten, Keulen, Äxten und Gewehrkolben. Sogar leichte Rüstungen kamen so wieder in Mode. Schon vor der feindlichen Grabenlinie fiel ein großer Teil der Angreifer dem feindlichen Gewehr-, MG- und Artilleriefeuer zum Opfer. Versuche, Maschinengewehre leichter zu machen und so auf dem Vormarsch durchs Niemandsland Deckungsfeuer zumindest gegen die feindlichen Infanteriewaffen zu gewährleisten, gelangen zwar ansatzweise, waren aber nicht effektiv und vor allem beweglich genug, weswegen genau der Vormarsch, den sie eigentlich decken sollten, ohne sie auskommen musste. Über ihre Nützlichkeit im Grabenkampf braucht man dann nicht weiter zu reden.

Die ersten Reaktionen der Militärs waren vermehrte Zuteilungen von Pistolen mit größerem Magazin und teilweise auch Schulterstütze. Trotzdem war die Feuerrate dieser Waffen noch zu niedrig, die geringe Reichweite und Durchschlagskraft der Pistolenmunition hingegen war in den Schützengräben weniger dramatisch. Als Zwischenlösung baute man also Selbstladepistolen so um, dass sie vollautomatisch feuern konnten. Dies war zwar durchaus effektiv, allerdings waren solche Exemplare geplagt von mechanischem Versagen wie Ladehemmungen, Rohrkrepieren und generell beträchtlichem Verschleiß der beweglichen Teile, da sie einfach nicht für diesen Einsatz entwickelt worden waren.

Als Erster entwarf nun der Italiener Bethel Abiel Revelli eine automatische Waffe für Pistolenmunition vom Typ 9mm Glisenti. Ursprünglich für den Luftkampf angedacht, ließ die Reichweite und Durchschlagskraft gegenüber den Maschinengewehren doch sehr zu wünschen übrig und Revelli verkaufte seine 1914 angemeldeten Patente an die Firma Villar-Perosa, die die Maschinenpistole unter selbigem Namen vertrieb. Wenig später stieg auch Fiat in die Fertigung für die Armee ein und so tauchte die Fiat Model 15 zum ersten Mal an der Front auf. Sie stellte sich aber schnell als zu wartungsintensiv und für den Frontgebrauch wenig geeignet heraus und wurde wieder ausgemustert. Trotzdem hatte ihr Einsatz ungeahnte Folgen.

In der Schlacht von Caporetto erbeuteten Truppen der Mittelmächte eine Anzahl dieser Maschinenpistolen und verbrachten sie nach Deutschland zur Untersuchung. Dadurch inspiriert entwickelte Theodor Bergmann in Suhl die erste deutsche Maschinenpistole, die MP18. Obwohl sie mit ihrer Munition vom Typ 9mm Parabellum war noch lange nicht an die vom Militär gewünschte Leistungsfähigkeit der Patrone heranreichte, zeigte sie sich im Einsatz phänomenal erfolgreich.

Ähnlich dem leichten Maschinengewehr in eigenen Gruppen den Infanterieeinheiten zugeteilt sollten die Maschinenpistolenschützen, unterstützt durch einen Munitionsträger, mobiles Deckungsfeuer vor allem beim Sturmlauf auf die feindlichen Gräben geben und beim weiteren Vormarsch beständig mit der Spitze mithalten. Die Sturmbataillone setzten die wenigen Waffen, die vor Kriegsende ausgeliefert wurden (etwa 35.000 Stück), extensiv und mit großem Erfolg ein, nicht zuletzt auch direkt im Grabenkampf, wo sie sich als Nahkampfwaffe sehr bewährte. Ihr einziger Schwachpunkt war der komplizierte Nachladevorgang für die anfänglichen Trommelmagazine.

Die Siegermächte erkannten den Wert und die Wirkung dieser Waffe schnell, was sich im Versailler Vertrag widerspiegelte, der Deutschland die Nutzung und Herstellung automatischer Waffen strengstens untersagte.

Bezeichnenderweise waren es dann die Waffenhersteller der USA, die bereits kurz nach dem Großen Krieg die ersten neuen Maschinenpistolen entwarfen und produzierten, bzw. im Falle der Thompson-Maschinenpistole sogar während des Krieges noch eine Waffe hervorbrachten, obwohl diese erst in den Gangkämpfen der Prohibitionszeit und im Zweiten Weltkrieg größere Verbreitung fand. Folgerichtig war es dann auch das Dritte Reich, das als einzige Kriegspartei zu Beginn des Zweiten Weltkrieges über eine kriegsfähige Maschinenpistole in ausreichenden Stückzahlen verfügte, die MP38. Und gegen Ende dieses Krieges dann das Sturmgewehr entwickelte.

Im nächsten Artikel: Flugzeugträger

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