Der Erste Weltkrieg - Katalysator der modernen Kriegsführung - Flugzeugträger


Flugzeugträger gelten heute als die mächtigsten Schiffe einer Flotte und stellen im Allgemeinen das Flaggschiff eines Verbandes. Eine bemerkenswerte Entwicklung für eine Schiffsklasse, die es gerade einmal 102 Jahre gibt. Erneut war der Erste Weltkrieg entscheidend für die letzten Schritte vom Versuchsschiff zum ersten wirklichen Träger. Und 27 Jahre später bewies diese brandneue Waffe mit dem Angriff der Japanischen Kaiserlichen Marine auf Pearl Harbor, dass das Zeitalter der Schlachtschiffe endgültig vorbei war.

Doch bis dahin war es ein langer und steiniger Weg gewesen, und die ersten Schritte auf diesem machten die Briten 1806 sogar noch vor Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Nutzung von Drachen vom Deck einer Fregatte aus, um Propagandablätter über dem napoleonischen Festland abzuwerfen.

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Bengt Weiberg
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Natürlich hatten diese noch recht unbeholfenen Versuche wenig mit modernen Flugzeugträgern zu tun, aber nur wenige Jahrzehnte später setzten die Österreicher im Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieg 1848/49 Montgolfiere von einem Schiff aus dazu ein, Venedig zu bombardieren. Während des Halbinselfeldzuges im US-Amerikanischen Bürgerkrieg setzte die US Navy Ballons von Schiffen aus zur Aufklärung ein. Bis um Ersten Weltkrieg verfügten einige Marinestreitkräfte der Welt über Schiffe zum Einsatz von Aufklärungsballonen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war allerdings das Flugzeug bereits in den Interessenfokus des Militärs gerückt. Speziell in Frankreich, wo 1909 Clément Ader sein Buch L'Aviation Militaire veröffentlichte. Darin beschrieb er seine Idee eines Flachdeckschiffes zum Einsatz von Flugzeugen auf See. Tatsächlich begann man erste Versuche mit solchen Schiffen, während parallel Henri Fabre das Wasserflugzeug entwickelte, was die Entstehung der Seeflugzeugträger zur Folge hatte, Schiffen, die Seeflugzeuge an Bord hatten und diese mit Hilfe von Kränen auf die Wasseroberfläche absenken oder zurück aufs Schiff heben konnten. Sowohl die französische als auch die britische Marine beeilten sich, solche Aufklärungsmöglichkeiten anzuschaffen.

 

Obwohl das Seeflugzeug so scheinbar erst einmal das Rennen machte, sollte der Flugzeugträger am Ende den Sieg davon tragen. In den USA hatte man dank des Buches von Clément Ader schnell reagiert und mit Versuchen begonnen. Am 14. November 1910 gelang Eugene Ely der erste Start eines Flugzeuges von einem verankerten Schiff, und zwar vom überbauten Vordeck des Panzerkreuzers USS Birmingham, siehe Foto links. Anschließend landete er erfolgreich auf einem Flugplatz. Damit noch lange nicht zufrieden wurde Ely bereits am 18. Januar 1911 zum ersten Menschen, dem die Landung auf einem verankerten Schiff gelang. Er setzte seine Maschine auf einer hölzernen Plattform über dem Heck der USS Pennsylvania auf und wurde durch eine Kombination aus Stricken und Sandsäcken zum Stehen gebracht. Anschließen drehte man die Maschine um und Ely hob erneut ab. Etwas über ein Jahr später gelang es dann Commander Charles Rumney Samson von der Royal Navy am 9. Mai 1912 zum ersten Mal, von einem sich bewegenden Schiff aus zu starten, und zwar dem Schlachtschiff HMS Hibernia.

Auch in der Royal Navy erkannten nun einige das Potential von Flugzeugträgern als Aufklärer. Mit der HMS Ark Royal baute man den ersten richtigen Träger mit flachem Deck. Ursprünglich als Handelsschiff auf Kiel gelegt waren die Briten von den ersten Versuchen mit Seeflugzeugträgern überzeugt genug, weitere solche Schiffe zu bauen. Die Ark Royal wurde zu einer Art Mischling aus beidem, hauptsächlich als Seeflugzeugträger eingesetzt konnte sie mit Hilfe von Katapulten auch normale Flugzeuge von ihrem Deck aus starten.

Zwar wurde der Träger durchaus mit Erfolg eingesetzt, aber gänzlich überzeugen konnte sie durch ihre Leistungen noch nicht. Man hatte außer der Aufklärung und leichten Bombenangriffen einfach noch keinen wirklichen Daseinszweck gefunden. Doch am 19. Juli 1918 startete der erfolgreiche Luftangriff auf die deutschen Marinezeppelinhallen bei Tønder durch reguläre Flugzeuge vom Typ Sopwith Camel, die vom noch unausgereiften Flugzeugträger HMS Furious abgehoben waren. Da sie keine Schwimmer brauchten, konnten die Briten trotz langer Flugstrecke Bomben tragen und verursachten einige Schäden, die zur Aufgabe des Stützpunktes führen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Furious noch nicht über eine ausreichende Landplattform, so dass die überlebenden Flieger entweder neben dem Schiff notwasserten oder sich auf Grund von Treibstoffmangel im neutralen Dänemark internieren ließen.

Dieser Einsatz konnte zum ersten Mal die Möglichkeiten von mit Bomben bewaffneten Flugzeugen an Bord von Schiffen aufzeigen. Zwar dauerte es danach noch einige Jahre bis vor allem die Japaner und Briten die Idee weiterentwickelten zu großen Flugzeugträgern mit Jägern, Sturz- und Torpedobombern an Bord. Aber die Initialzündung war erfolgt. Und sie sollte die traditionelle Seekriegsführung vollständig umkrempeln.

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