Mandate of Heaven Testbericht


Mandate of Heaven ist der erste große Europa Universalis IV DLC von Paradox Interactive im Jahr 2017 und hebt das Gameplay in Asien auf eine neue Stufe. Doch auch für die Vertreter des Teils „Europa“ im Titelnamen ist für ausreichend Neuerungen gesorgt. Nach einiger Zeit europäisch zentrierter Patches und DLCs kommt jetzt die erste große Erweiterung zu Asien, darum springen wir auch sofort rein nach Asien.

 

 

 

 

Autor

alle Artikel von Robert

Florian Gierschner
Nickname: flogi
Redakteur & Modder

Chinesischer Kaiser und Tributstaaten

 

Die für China wohl größte Änderung in Mandate of Heaven ist die Neueinführung eines HRR ähnlichen Systems für den Kaiser von China. Dieser kann Tributstaaten unterhalten (wie alle östlichen Religionen und Horden) und Nachbarländer (und weit darüber hinaus) zwingen ihnen einen Tribut zu leisten. Dieser Tribut kann aus Wehrpflichten, Machtpunkten jeder Kategorie oder Geld bestehen. Man ist also, wenn man genügend Tributstaaten hat, sehr flexibel, was man von diesen fordern kann. Doch Vorsicht, gerät die eigene Macht ins Wanken kann es durchaus passieren, dass die Tributstaaten frech werden und man den Tribut militärisch erzwingen muss.

 

Doch Tributstaaten sind auch aus einem anderen Grund wichtig: Für die eigene Legitimität der Kaiserkrone. Denn fällt diese unter einen gewissen Wert, sehen wir uns mit schrecklichen militärischen Mali konfrontiert, die uns gewiss jeden Krieg, auch gegen eine erhebliche Unterzahl, verlieren lassen würden.

 

Darüber hinaus können wir, ähnlich zu den HRR Reformen, das chinesische Kaiserreich reformieren und nette Boni bekommen, unter anderem einen garantierten Machtpunkt mehr im Administrativen Bereich. Außerdem kann man Dekrete erwirken, die ebenfalls starke Boni bringen und 10 Jahre anhalten.

 

Das Spiel mit dieser neuen Mechanik macht sehr viel Spaß, denn man kann selbst versuchen Kaiser von China zu werden. War man einmal Tributstaat des Kaisers und verweigert fortan diesen, bekommt man einen Kriegsgrund um sich selbst die Krone aufs Haupt zu setzen. Gewinnt man den Krieg bekommt man zusätzlich noch dauerhafte Ansprüche auf ganz China – wenn das mal nicht ein Preis ist, für den es sich zu kämpfen lohnt! 

Zeitalter

Die Zeitalter sind die wohl größte Änderung mit dem meisten globalen Einfluss. Die Zeitspanne, in der EU IV spielt, teilt sich fortan in vier Zeitalter, in denen man als Land verschiedene Ziele erfüllen muss um Glanz zu sammeln. Hat man genug Glanz gesammelt, kann man sich Fähigkeiten freischalten. Es gibt auch in jedem Zeitalter vier länderspezifische Fähigkeiten, die Länder welche in dieser Zeitspanne besonders dominant waren freischalten können. Diese Fähigkeiten sind in der Regel besonders stark (um nicht zu sagen völlig broken).

 

An diesen Punkt lässt sich auch ein wenig Kritik anschließen. Es ist relativ schwierig für manche Nationen in gewissen Zeitaltern zu glänzen, was natürlich irgendwo Sinn ergibt, einen aber auf der anderen Seite zwingt z.B. immer kolonial zu spielen wenn man möglichst viel Glanz abstauben will. Besonders für China ergibt das vielleicht nicht so furchtbar viel Sinn. Optimal wäre es gewesen, wenn man hier für verschiedene Kulturgruppen unterschiedliche Ziele und Fähigkeiten gehabt hätte, die erfüllt und freigeschaltet werden können.

 

Die sonstigen Boni, die man freischalten kann reichen zum Teil ebenso von extrem stark bis „ganz nett.“

 

Hat man drei Ziele in einem Zeitalter erfüllt, kann man ein Goldenes Zeitalter für sein Land ausrufen, dass unabhängig von dem Zeitalter in dem man gerade ist und wann es endet 50 Jahre dauert und in dem Spiel einmalig ist. Das Goldene Zeitalter selbst hat starke Boni.

 

Ein Problem was ich hierbei sehe ist, dass es vom Effektivitätsdenken her wohl keinen Sinn ergeben wird, das Goldene Zeitalter relativ früh auszurufen, sondern das man, gerade wenn man einer Welteroberung nachgeht, diesen Bonus in den letzten 50 oder 100 Jahren nutzen wird. Hier wäre ein wenig mehr Roleplay Anreiz irgendwie nett gewesen und es ließe sich sicher der Punkt machen, dass nicht wenige Länder in der EU IV Timeline mehr als ein Goldenes Zeitalter hatten.

Neue Religionsmechaniken für Konfuzianismus und Shinto

Gehen wir wieder zurück nach Asien. Dort haben der Konfuzianismus und die Shinto Religion (sowie auch die Japanmechaniken) eine Überarbeitung erfahren.

 

Als Konfuzianischer Staat kann man jetzt mit anderen Religionen harmonisieren, was so ähnlich wie der synkretische Glauben bei den Tengri funktioniert, aber länger dauert. Die Boni, wenn man sich mit einer Religion harmonisiert hat sind dementsprechend auch etwas stärker. Ein nettes Features, was auch für diejenigen, die nicht in den Spieldateien die Boni nachsehen möchten eine nette Überraschung auf der ein oder anderen Seite bereithält.

 

Die Shintoreligion hat eigene Ereignisketten dazubekommen, die über Events laufen und Japan praktisch nach und nach in die Moderne führen. Je nachdem welchen Weg man während einem Ereignis beschreitet, desto wahrscheinlich wird der Eintritt eines Weiteren Ereignisses.

 

In Japan selbst wurde die relativ Bugreiche Mechanik, wie man Japan einigen kann, durch ein neues System ersetzt. Man wird jetzt automatisch Shogun, wenn man die Hauptstadt einnimmt und kann sich dann (wieder) Vasallen anlachen, oder man einigt Japan gleich ganz absolutistisch. 

Staatsedikte, Wohlstand, Diplomatischer Macrobuilder und Artilleriebarragen

Die letzten DLC Features sind etwas kleinerer Natur, in ihrer Bedeutung und Stärke aber relativ unterschiedlich zu beurteilen.

 

Die Staatsedikte können auf Staatenebene (Provinzen) erlassen werden. Sie erhöhen den Staatsunterhalt um das Dreifache und schalten dann für das Staatsgebiet einen Bonus frei. Ich bin noch etwas Zwiegestalten im Hinblick auf die Stärke dieses Features. Nett ist es in jedem Fall, aber der Nutzen bleibt besonders am Anfang eher hinter den Kosten zurück. Hat man sich aber ein riesiges Handelsimperium aufgebaut, kann man schon eher darauf zurückgreifen, im Austausch für deutlich mehr Manpower beispielsweise. Ein nettes Detail ist, dass der bisher relativ unwichtige Wert des Staatsunterhaltes hierdurch mehr Bedeutung erlangt.

 

Wohlstand kann man in einer Region (einem Staatsgebiet) erreichen, wenn dort lange keine militärischen Konflikte geherrscht haben, also das Land nicht vom Krieg verwüstet wurde. Der Wohlstand baut sich über die Zeit auf und gibt am Ende kleinere Boni auf Steuern und Entwicklungskosten. Ein netter kleiner Bonus, auf den man aber nur geringen Einfluss hat, denn der Wohlstand erhöht sich zwar anhand einer Prozentzahl, aber ansonsten zufällig.

 

Für alle, die nicht gerne ihre Diplomaten bis zum Erbrechen managen, bietet der diplomatische Macrobuilder eine nette Erleichterung. Dort kann man einstellen, was die eigenen Diplomaten tun sollen und das machen sie dann auch automatisch relativ zufällig. Außerdem hat man eine vereinfachte Übersicht, welches Land gerne ein Bündnis mit einem selbst eingehen möchte oder wen man heiraten kann.

 

Die Artilleriebarrage dagegen ist das bedeutsamste  kleine Feature dieses DLCs. Für 50 Militärpunkte kann man bei ausreichender Artillerieausstattung (voller Bonus) gegen eine Festung eine Barrage anordnen, die sofort den maximalen Mauerdurchbruch erzielt. Man kann sich vorstellen wie nützlich das sein kann eine Belagerung sehr schnell zum Abschluss zu bringen. Einerseits ein sehr starkes Feature, andererseits sind 50 Militärpunkte 50 Militärpunkte. Hier wird sicher am interessantesten zu beobachten sein, wie dieses Feature im Multiplayer wirkt.

Fazit

Mandate of Heaven ist für die Asienfreunde ein absolutes Muss. Die neuen Kaisermechaniken sind für China sehr gut und auch Japan bietet deutlich verbessertes Gameplay. Durch die Tributstaaten hat die gesamte östliche Religionsgruppe ein interessantes Features dazubekommen, dass Horden ein großes Stück interessanter macht als vorher.

 

Die Zeitaltermechanik ist von der Idee her gut, an der Umsetzung gibt es an vielen Stellen, meiner Meinung nach, eher verbesserungsbedarf.  Die länderspezifischen Boni sind hier oft viel zu stark, andere sind zu Kolonialzentriert.

 

Die neuen Religionsmechaniken sind ebenfalls gut und machen viel Spaß. Jetzt gibt es in der Hinsicht für Paradox fast nichts mehr zu tun, weil mittlerweile fast alles erschlossen ist.

 

Die neuen Patchfeatures bieten dieses Mal nicht die ganz großen Neuerungen, wobei der Absolutismus hier als sehr schöne Neuerung heraussticht. Die neuen Mechaniken, wenn man Bankrott ist, sind ebenfalls sehr positiv.

Der Preis von MoH ist mit 20€ natürlich nicht zu verachten, wenn man allerdings in Asien gerne spielt sind diese 20€ sicher gut investiert. Ist man eher der europäische Spieler und nicht super scharf auf die Zeitalter, kann hier wohl auch auf einen Sale warten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Andenschakal (Montag, 29 Mai 2017 17:57)

    Ein sehr interessanter Einblick in dieses aktuelle DLC.

    Die Variante für das Kaiserreich China finde ich spannend, auch wenn ich bisher noch nie ein Land im asiatischen Bereich gespielt habe.

    Allerdings ist der Preis für derartige DLCs einfach zu hoch... Das eigentliche Spiel EU IV bekam ich für 9,99 Euro. Und eine von den gefühlt 50 Erweiterungen kostet gleich 20 Euro. Ist mir selbst für so ein geniales Spiel einfach zu teuer.

    Schade dass es noch kein "Gold-Paket" gibt, wo man das gesamte Spiel einfach mal mit allem drum und dran (also allen DLCs) auf den neuesten Stand bringen kann. Würde ich jetzt alle verfügbaren DLCs einzeln dazukaufen, wären das schlappe 270 Euro!!
    Das kanns doch nicht sein...

    LG Anden